Aktuelle Informationen aus der Presse
GEB-Abo-Letter: 19-2008 | 16.09.2008
Wie sich Qualitätssicherung durchsetzt

Unser
Artikel im letzten Newsletter Bauherren stehen
auf Qualitätskontrolle sorgte bei einigen
Lesern für Kopfschütteln. Andere freuten
sich, dass wir über den Trend berichtet haben.
"Ich bin Energieberater und Bausachverständiger
(Fachrichtung Bauschäden). Aus meiner Sicht
ist die von Ihnen im Artikel dargestellte Sicht
nicht korrekt. Viele Bauherren haben noch nicht
verstanden (oder verstehen erst zu spät),
dass die "Geiz ist geil"-Mentalität
beim Bauen höchst kritisch ist und sich
letztlich in den wenigsten Fällen auszahlt.
Das Verständnis, eine adäquate Bauleitung
und eine hochwertige handwerkliche Ausführung
zu wollen ist schon vorhanden, lediglich die
Bereitschaft den angemessenen Preis dafür
zu zahlen fehlt bei vielen Bauherren meist total.
Gleiches gilt für die Bauqualitätsüberwachung
bei GU- oder Fertighausfirmen, so meine Erfahrung.
Dann sind selbst 1200 bis 1500 Euro für
eine Bauqualitätsüberwachung zu viel,
dafür könnte die Dusche mit flacher
Ablaufrinne ja schon bezahlt werden... Das böse
Erwachen kommt dann oft später [...]"
Qualitätssicherung:
Vom Muss zur Selbstverständlichkeit
Wie dieser Kollege die Situation beschreibt,
ist sie durchaus in ganz Deutschland vorzufinden,
aber nicht an jedem Ort. Aus den bestätigenden
Zuschriften, die wir auf den Artikel erhalten
haben, lassen sich einige Dinge ableiten:
Dort wo Qualitätssicherung öffentlichkeitswirksam
gefördert oder sogar gefordert werden,
existiert tatsächlich eine deutlich höhere
Nachfrage und auch bei Selbstbeteiligung an
den Kosten eine entsprechende Akzeptanz.
Dass viele Bauherren gerne auf die Erfahrungen
anderer Bauherren zurückgreifen wollen,
hat beispielsweise in Neubaugebieten unmittelbare
Konsequenzen für die Nachfrage nach Qualitätssicherung.
Zwar werde auch versucht, nur mit den Erfahrungen
der neuen Nachbarn über die Runden zu kommen,
viele der zweiten oder dritten Bebauungswelle
ziehen dann aber doch einen Profi hinzu.
Besonders vorbildlich scheint das Beispiel
einer regional tätigen Bank zu sein. Sie
gewährt Baukredite zu besseren Konditionen,
wenn eine Qualitätssicherung vorgenommen
wird: "Wir haben einfach festgestellt,
dass auch unser Risiko so geringer ist. Und,
man darf das ja gar nicht laut sagen, aber die
Qualitätssicherung fängt bei uns schon
damit an, dass wir im Notfall auch vor der einen
oder anderen Baufirma warnen."
Mehrere Energieberater berichteten zudem, dass
sich das Qualitätsbewusstsein bei Energieberatungskunden
neuerdings stark wandeln würde. "Wer
sich dann zur Modernisierung durchringt, kommt
heute fast immer auch mein Angebot begleitender
Kontrollen zurück. Die Energieberatung
vor Ort und das Aufzeigen von Problemzonen sind
dafür eine ideale Visitenkarte."
"Schlaflose Nächte
vermeiden"
Wie so oft, stehen auch bei der Qualitätssicherung
die Kosten zu sehr im Vordergrund. Anbieter
sollten sich aber auch noch andere Argumente
zunutze machen. So schreibt uns ein Bauherrenberater:
"Auch wenn der Bauherrenberater nur berät,
kann er doch den Bauherren in seiner Entscheidungsfindung
wesentlich unterstützten. Er kann viele
Baumängel aufdecken, die der Bauherr trotz
Studium der bunten Baupresse nie erkennen und
werten könnte und vor Abnahme zur Beseitigung
solcher beitragen. Bauherren neigen auch schnell
zu Überbewertungen. Schlaflose Nächte
und viel Ärger mit den Ausführungsfirmen
sind dann vorprogrammiert. Schon die Teilnahme
eines Bauherrenberaters am Bauprozess zwingt
die Bauausführenden zum gewissenhafteren
Arbeiten. Aus meiner Erfahrung lassen sich bei
Mitwirkung des Bauherrenberaters dann viele
Probleme und Mängel im Rahmen des normalen
Bauablaufs einvernehmlich zwischen ausführenden
Handwerken und Bauherr klären."
Eigentlich fehlt eine
Qualitätsoffensive
Dieser Automatismus stellt sich aber nicht überall
ein. Ernüchterung über die Fortschrittsgeschwindigkeit,
mit der sich der Qualitätsgedanke im gesamten
Bauprozess durchsetzt, war darum auch zu lesen:
"Es ist kaum zu glauben, dass es bei der
Mehrzahl von Mangelhinweisen eigentlich nicht
um neueste Erkenntnisse beim Bauen geht, sondern
um altes Handwerk' und um Selbstverständlichkeiten'.
Oft müssen wir dieselbe Firma und sogar
dieselben Bauleiter auf mehreren aufeinander
folgenden Baustellen auf die gleichen Mängel
hinweisen. Es scheint vielfach noch eine Mentalität
zu existieren, dass das in Kauf nehmen von Mängeln
unter dem Strich günstiger als eigene Qualitätssicherung
ist. Manchmal wird allerdings auch so geplant
und ausgeschrieben, dass Mängel vorprogrammiert
sind. Eigentlich fehlt eine Qualitätsoffensive
auf breiter Basis." GLR
GEB-Abo-Letter: 18-2008
| 09.09.2008
Bauherren stehen auf Qualitätskontrolle

Worin
sehen Bauherren die größten Risiken
beim privaten Bauprojekt? Welche Hilfen sind für
sie besonders wichtig? Diese Fragen stellte der
Bauherren-Schutzbund (BSB) in einer Online-Umfrage,
um die Verbraucherinteressen und den Beratungsbedarf
von privaten Bauherren einzuschätzen.
Risikobewusst
Die Ergebnisse der Umfrage sind eindeutig. Private
Bauherren sind sich zunehmend der Risiken am Bau
bewusst und setzen auf professionelle Hilfe. Fast
89 % der Befragten sehen in Baumängeln die
größte Gefahr für ihren Hausbau.
Eine Überschreitung der Baukosten wird von
78 % als Risiko bezeichnet, die Nichteinhaltung
der Bauzeit von einem Drittel. Viele Teilnehmer
an der Umfrage setzen sich auch mit rechtlichen
und wirtschaftlichen Risiken auseinander. So wird
von 61 % eine Insolvenz des Bauunternehmens in
die Risikoskala aufgenommen und von 47 % Rechtstreitigkeiten
und Prozessrisiken.
Professionelle Hilfe gewünscht
Für fast 80 % der Bauherren steht die baubegleitende
Qualitätskontrolle an oberste Stelle, gefolgt
von der damit in enger Verbindung stehenden Unterstützung
beim Erkennen von Baumängeln (78 %) und deren
Beseitigung. Auch die Hilfe bei der Interessenvertretung
gegenüber den Baufirmen wird von 55 % als
wichtig erachtet. Problemen bereits im Vorfeld
zu begegnen, von diesen Überlegungen lassen
sich immer mehr Bauherren leiten. Mehr als 63
% wünschen sich Beratung bei der Auswahl
von Hausangeboten und der Vertragsprüfung.
Dass Neutralität und Unabhängigkeit
von den anderen Vertragsparteien für die
Bauherren extrem wichtig ist, zeigt sich daran,
dass nahezu die Hälfte vor der eigenen Entscheidung
gern auf Fachinformationen und Erfahrungen anderer
Bauherren zurückgreifen wollen. GLR
"Teurer Pfusch"
(aus: Finanztext 5/2008)
Nicht rechtzeitig entdeckte Mängel am Bau
führen zu Folgeschäden von durchschnittlich
11 500 Euro. Zu diesem Ergebnis kommt der Bauherren-Schutzbund
(BSB) in einer aktuellen Studie. Der Verein untersuchte
gemeinsam mit dem Institut für Bauforschung
(IfB) 25 Neubauten privater Bauherren. Die Experten
schätzten, welche Kosten die Baumängel
hätten verursachen können, etwa nach
der Überflutung eines undichten Kellers.
Nach einer Untersuchung des Prüfunternehmens
Dekra hat der Pfusch am Bau in den letzten Jahren
deutlich zugenommen. Fehler finden sich vor allem
am Putz, an Fenstern und Türen sowie an Heizungs-
und Sanitäranlagen. TIPP: Lassen Sie den
Bau von einem unabhängigen Sachverständigen
regelmäßig überprüfen.
"Mängel sofort
beheben" (aus Kölner Stadtanzeiger 30.01.2008)
Auszug aus dem Interview zwischen Pascal Klein,
Experte für Bauprüfung der Dekra und
dem Kölner Stadtanzeiger
Was verstehen Sie genau
unter Baumängeln?
Klein: Baumängel
liegen vor, wenn entweder nicht das gebaut wurde,
was verabredet war, oder handwerkliche Standards
nicht eingehalten wurden.
Welches sind die häufigsten
Fehler?
Klein: Die häufigsten
Mängel haben wir bei Fenstern und Außentüren
gefunden, außerdem sind Putz- und Stuckarbeiten
sowie die Haustechnik häufig fehlerhaft.
Hier sind vor allem die Wasser- und Stromleitungen
betroffen.
Wie kann man als Bauherr
das Risiko eines fehlerhaften Baus minimieren?
Klein: Zum einen,
indem man sich ein seriöses Bauunternehmen
sucht, hierzu sollten Referenzen und Angebote
verschiedener Firmen verglichen werden. Dann
sollte man die Bauarbeiten gut im Auge behalten.
Vor allem, wenn man sich selbst nicht so gut
auskennt, empfiehlt sich eine professionelle
Bauüberprüfung.
Wie sieht so eine Prüfung
aus?
Klein: Ein unabhängiger
Experte überwacht die Bauarbeiten von Anfang
bis Ende. Immer wenn bestimmte Baustufen erreicht
sind, wird überprüft, ob die vertraglichen
Vereinbarungen eingehalten wurden oder Fehler
entstanden sind.
Rechnet sich das für
den Bauherren?
Klein: Das kann
durchaus sein. Im Bauschadensbericht 2008 haben
wir Durchschnittskosten von circa 10.000 Euro
für Mängelbeseitigung ausgerechnet,
eine Bauprüfung kostet etwas 2.000 Euro.
Es kommt also immer darauf an, ob man selbst
betroffen ist. Eine Überprüfung minimiert
das Risiko und macht die Kosten besser kalkulierbar.
Was macht man, wenn dennoch
Mängel aufgetreten sind?
Klein: Sie sofort
beseitigen lassen, vor allem bevor die Arbeiten
abgeschlossen sind. So lange kann dem Unternehmen
noch finanzieller Druck gemacht werden. Später
müssen Mängel vor Gericht ausgefochten
werden - und das kann noch sehr viel teurer
werden. Deswegen ist es besonders wichtig, Mängel
schon im Bauprozess zu erkennen.